Alltagsproblemchen - 30. Januar 2010

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Mein Haaransatz ist so dunkel, dass ich nicht mehr anders konnte, als einen Coiffeur in Thailand zu suchen. Dieser Schritt kostete mich echte Überwindung, denn wenn man sich hier in Bangkok umschaut, hat niemand auch nur eine einzige blonde Strähne im schwarzen Haar! Man wird sich erst bewusst, was für ein Vertrauensverhältnis man zu seiner Coiffeuse hat, wenn man 20'000 km von ihr entfernt ist!


Ich finde einen modernen Salon, der mir optisch passt. Reto bemerkt: „Sind die französischen Haarpflege-Markenschlider echt oder auch nur Fälschungen?" Wie auch immer, es muss sein. Ich bin entschlossen, mein Haarschicksal fremden Händen zu überlassen und lasse mir einen Platz zuweisen. Vor jedem Stuhl hat es einen PC, auf dem man spielen oder websurfen kann. Finde ich cool, aber die Computer laufen nicht mehr (!)... Die Friseuse, die mich bedient, spricht kein Wort Englisch und so verständigen wir uns mit Händen und Füssen. Mal kommt die eine, mal die andere Dame und hie und da noch eine Dritte, um sich über das Befinden meiner zu bleichender Haare zu informieren.

Während ich so auf dem Stuhl sitze, kommt mir Mani Matters Lied in den Sinn, denn auch mich ergreift plötzlich ein „metaphysisches Gruseln". Die Vorstellung, dass mir nach der Behandlung die Hälfte der Haare abbrechen könnte und ich mit ungewollter Kurzhaarfrisur auf die Strasse treten müsste, bringt mich fast dazu das Geschäft zu verlassen. Doch ungleich Matter, entschliesse ich mich zum Durchhalten.

Ich sitze eine endlose Zeit auf dem Stuhl, während dem an mir herumgebastelt wird. Dann heisst es ,Waschen gehen‘. Die Coiffeuse zeigt mir, dass ich ihr folgen soll. Nebeneinander stehen zehn Liegebetten. Ich kraksle auf eines und lege meinen Kopf in das Spülbecken. „Diese Liegen sind nichts für ältere Damen", denke ich. Zum Glück zähle ich mich noch nicht zu diesen, das Heraussteigen aus der Liege ist mindestens so eine Verrenkübung.

Nun geht es zurück in den Saal, aber auf einen anderen Stuhl. Die Haare werden zusammen mit einer Pflegepackung von Hand entwirrt. Ich bekomme einen Turban umgebunden und eine Dampfmaschine wird mir über den Kopf gestülpt. Ich sitze und warte und lass den Dampf sein Ding verrichten. Meine Färbefrau kommt zurück und zeigt mir wieder auf, dass ich mich nochmals zum Spülen aufmachen muss. Dieses Mal meistere ich diesen komischen Liegesessel mit gekonntem Sprung.


Nach dem Waschen werde ich auf einen dritten Stuhl begleitet, in einem anderen Saal. Nun kommt eine neue Dame mit Schere bewaffnet und fragt, wie ich meine Haare geschnitten haben möchte. Ich erkläre ihr meinen simplen Schnitt und sie setzt die Schere an. Alles klappt bestens. Nun kommt wieder eine neue Frau, diese mit einem Föhn in der Hand und beginnt meine neue Haarpracht zu trocknen. Sie stellt sicher, dass alles schön geglättet ist, dann holt sie die letzte Dame, die mit der Schere und diese wiederum beginnt nun wieder meine Haare zu schneiden!


Zirka drei Stunden, vier Säle, fünf Stühle und sechs Coiffeusen später reicht man mir den Spiegel und ich bin positiv vom Ausgang überrascht. Nicht ganz Schweizer Standard, dafür Thai-Teamwork und besser als zuvor auf jeden Fall!