Buschbrände - 11. Dezember 2009

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„Lassen wir die Buben fischen bis es Nacht wird?“, fragt mich Reto. „Klar, es gibt heute ein Birchermüesli zum Znacht, das ist schnell gemacht.“


So geniessen Andrin und Roman ihre Tüte voller Tintentische, den wir ihnen zuvor gekauft hatten und füttern damit die Fische und Krebse. Es nachtet und wir erleben einen Sonnenuntergang, wie er in einem Hochglanzprospekt einer Fluggesellschaft abgebildet werden könnte. Der Himmel glüht nicht nur in Orangetönen, nein der Farbverlauf geht bis ins Dunkelpurpur. Der Feuerball glüht regelrecht am Horizont und wir vernehmen von den Ortsansässigen, die ebenfalls ihr Fischerglück versuchen, dass Russpartikel von den Steppenbränden Schuld daran hätten, dass sich der Himmel in diesen Farben zeigt.


Die Nacht bricht sehr schnell herein und wir folgen dem Glühen am Horizont mit unserem Auto, nicht ahnend, wie schnell wir inmitten eines Waldbrandes uns wieder finden würden. Wir lassen die Fenster runter und uns schlägt eine nach Eukalyptus geschwängerte Hitzewelle ins Auto. Gleich neben der Strasse zerstören ein Meter hohe Flammen alles, was ihnen in die Quere kommt.


Roman steigen die Tränen in die Augen und er fragt: „Mami, was passiert mit all den herzigen Koalas und anderen Tieren in den Bäumen?“ Die Realität ist oftmals brutal.


Während der kurzen Fahrt zurück zum Hotel stellen wir fest, dass alles dunkel ist, das Häuser, die Strassenlaternen, die Bar ... einfach alles ist leer und dunkel. Wurde das Dorf eventuell evakuiert, weil der Brand so nahe ist und wir haben nichts mitbekommen? Wir fahren vor unser Hotelzimmer und erblicken eine Gaslampe auf der Veranda und vier junge Belgier, die damit beschäftigt sind, ihr Gepäck ins benachbarte Häuschen zu räumen. Sie erzählen uns, dass vor zehn Minuten der Strom im Dorf abgestellt wurde, da ein Baum wegen des Buschbrandes auf den Hauptmast gefallen sein. Die Strassen seien alle gesperrt und wir alle seien mehr oder weniger hier im Dorf nun eingesperrt.


Da sie während ihrer Reise campieren, haben sie Gaslaterne, Tisch und Stühle und sämtliches Geschirr mit dabei, da sie aber vom Brand überrascht wurden und die Geschäfte bei Stromausfall alle gleich geschlossen hatten, stehen sie da ohne Essen und Trinken. Ich hatte ja ein Birchermüesli geplant, komischer Weise haben wir dazu viel zu viele Früchte eingepackt, so dass es auch für acht ausreichen wird. Die Männer beschliessen, draussen ein Bankett aufzubauen und wir Frauen beginnen mit dem emsigen Rüsten und Schnippseln der Früchte. So sitzen unter dem strahlenden Sternenhimmel und verbringen einen sehr spontanen Abend mit den vier jungen Belgiern. Richtig gemütlich!