Oman - 24. April 2010

Schon im Gate von Oman Air in Mumbai wird mir klar, dass eine ganz neue Kultur bevor steht, denn die Herren, die an mir vorbei huschen, sind in weisse Leintücher gehüllt und tragen auf dem Kopf ein kunstvoll drapiertes Badetuch. Ich finde es praktisch, gleich mit den Bettlaken zu reisen, bei uns nimmt nämlich der Schlafsack und das Frotéetuch recht Platz im Rucksack in Anspruch. Mir kommt das Lied vom Hippygspänschtli in den Sinn (keine Ahnung, warum) aber ich bin mir sicher, dass Peter Räber im selben Gate aufs Flugzeug wartete, als er die Eingebung zum Songtext hatte.


Wie auf Knopfdruck knien sich vor uns die Männer nieder und beginnen zu beten. Im Gang neben uns, betet ein einzelner, aber in eine andere Richtung. Reto zuckt den Kompass und stellt fest, dass er sich um 180° geirrt hat. Was sollen wir nun tun? Ihn aufklären, damit er sich kehren kann oder ihn beten lassen, wohlwissend, dass alles umsonst ist, weil das Gebet in diese Richtung, nie ankommen wird? Da stellen wir fest, dass auf der Gegenseite ein Alkoholgeschäft steht...


Die Damen, die ich sehe, sind vollkommen in Schwarz gehüllt. Man sieht nur ihre Augen. Ich hatte in den vergangenen Wochen eingehend Zeit, die Verhüllungen zu studieren und habe keine Gelegenheit ausgelassen, genau hin zu schauen, wenn mal eine den Vorhang hob und habe festgestellt, dass die Frauen gar nicht so schön sind, wie oftmals behauptet wird, sondern von einem sehr starken Haarwachstum geplagt werden. Hätte ich eine solch dunkle Gesichtsbehaarung und morgens keine Zeit, mich zu rasieren, ich würde auch ein schwarzes Tuch über mein Gesicht ziehen. Ich glaube, Herrn Sarkozy hat dies noch keiner gesagt, er wäre gegen ein Burkaverbot, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass er für das Freilegen dieser Gesichtsbehaarung von Frauen in der Öffentlichkeit wäre.


In Muscat haben wir eine Ferienwohnung gemietet. Zwanzig Meter neben uns steht ein Minarett. Zu einer unchristlichen Zeit, um fünf Uhr morgens, erinnert uns der Mullah, wo wir sind, nicht in der Schweiz. Ich glaube, nach acht Tagen, werde ich ein monotones Lied darüber singen können.