Wir fischen die Welt! - 12. Januar 2010

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Wir mussten erstmal dem thailändischen Tourismusdschungel entfliehen und am Golf von Siam eine kleine Hotelanlage finden, die nicht mit „ARD Sportschau“ und „Würstchen mit Weissbier“ wirbt. Die Hürde geschafft, ging es daran, einen Fischer ausfindig zu machen, der uns mit auf eine Fangnacht für Kalmare mitnehmen könnte. All dies organisiert, standen wir pünktlich um 19 Uhr voller Erwartungen am Sandstrand bereit...


David unser Guide führt uns bei Sonnenuntergang durch das badewasserseichte Wasser zu einem dieser urromantischen, bunten Thai-Holz-Fischkutter. Wir steigen an Board, hinter uns verschwindet die Sonne im Meer und vor uns liegen mystisch anmutende Inseln. Das Wasser liegt heute Nacht sehr ruhig in der Bucht, so können für einmal alle Familienmitglieder die Fahrt geniessen. Schon bald haben wir das Fischrevier erreicht und David erklärt uns mit wenigen Worten und grossen Gesten, wie wir die speziellen Haken, welche über einen Nylonfaden an einer Pet-Flasche befestigt sind, auf den Wassergrund lassen sollen. Der Köder mit den mörderischen Haken soll durch unsere ruckartigen Handbewegungen die Kalmare aufspiessen. An verschiedenen Bambusarmen, welche am Boot montiert sind, hängen zwei handvoll fussballgrosse Lampen. Diese werden nun angemacht und das Meer unter uns leuchtet in einem zauberhaften Smaragdgrün. Das Licht soll helfen, die gewünschten Kalmars anzulocken. Ob das gelingen wird? So sitzen wir vier auf der unebenen Holzfläche und sind so was von gespannt. Wir können uns kaum sattsehen an der malerischen Schiffskulisse, die uns umgibt.


Eine, zwei Minuten vergehen und dann ruft uns David zu: „Look!!! I got one!“ Wirklich, ein kleiner wasserspritzender Tintenfisch räkelt sich an seiner Leine! Bald ist auch uns Petri heil und Roman zieht ein zappelnder Kopffüssler aus dem Meer, dieser bedankt sich durch das Aussondern seiner Tinte. Andrin muss sich noch etwas gedulden, doch auch er hat bald einen. Die Buben jubeln und schon fischen sie weiter! Ab und zu steigen auch andere Meeresbewohner zum Lichtkegel empor und begrüssen uns! Kraken, Krebse, Riesenquallen und ganz, ganz viele Fische entdecken wir. Mit zirka einem Kilo frischen Kalmare im Gepäck soll es bald einmal zurück in unseren Bucht gehen. Wir bedanken uns bestimmt an die tausend Mal bei unserem Fischer, dieser sieht das Glück in den Augen der Buben und bevor er den Heimhafen anpeilt, fragt er David, ob wir noch mehr Zeit hätten, oder ob wir zurück müssten. Wir haben heute definitiv nichts Weiteres mehr vor, als unseren Fang zu kochen.


David übersetzt und meint in gebrochenem Englisch: „Gut, er will euch nämlich zeigen, wie er normalerweise (ohne euch) seinen Unterhalt bestreitet.“ Wir müssen uns auf dem kleinen Kutter in eine Ecke drücken, so dass wir keinem im Weg sind. Viel Platz hat es nicht ... aber unsere vier aufgerissenen Augenpaare verpassen keinen Moment! Mit grosser Ruhe beginnen die beiden Männer die Taue auf- und wieder abzuwickeln, das Netz zu platzieren und dieses auf die überhängende Bambuskonstruktionen aufzuziehen. Die Scheinwerfer werden voll aufgedreht – kurzes Warten, dann wird das Licht gedimmt, nur noch eine Lampe leuchtet... diese wird nun auch abgedreht und im Dunkeln der Nacht ertönt ein kurzer Befehl des Fischers, dann hört man Seile durch Verankerungen rattern, das ganze Schiff macht einen grossen Ruck auf die andere Seite, die Kraft des Gewichtes des losgelassenen Netzes ist überraschend.


Durch regelmässige Bewegungen über die Seilwinde wird das Netz zusammen getrieben. Die beiden Männer bringen das meterlange Netz mit gekonnten Griffen zurück aufs Boot. Wir sind ja gespannt! Hat es etwas im Netz? Fische werden von Hand herausgezogen und freigelassen. Andrin soll einen Eimer hinhalten und der Fischer öffnet das Ende des Netzes... gute drei Kilogramm Tintenfische haben soeben ihren letzten Schwumm im offenen Meer getätigt. Wir fahren durch die dunkle Nacht zurück an unsere Sandbucht und David entfacht ein Feuer und wir dürfen die fangfrischen Squids kosten. Köstlich! ... und unsere sepia gefärbten Tintenhände reinigen wir dann morgen!